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Vom 02.-30.11.2020 findet aufgrund der Corona-Situation keinerlei Trainings- und Übungsbetrieb, keine Kursangebote, sowie kein Lauf- und Walkingtreff statt.
Die TV Sporthalle, der TV Sportpark, das TV Bistro "myClub", die gemeindliche Weberbornhalle, sowie das Hallenbad bleiben in diesem Zeitraum geschlossen..
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Unser aktiver Seniorensportler "Nr.1" feiert am 18.06. seinen 80. Geburtstag
Er läuft und läuft und läuft.
Zweifelsohne zählt unser "Neu 80er" Norbert Gündling zu den erfolgreichsten Seniorensportler, die jemals in unserem TV Goldbach die Sportschuhe geschnürt haben.

Am 18. Juni dürfte jedoch eine seiner zahlreichen Trainingsrunden mit einem Platz am gedeckten Kaffeetisch getauscht werden, wenn er seinen 80.Geburtstag feiert, so unsere Annahme.
Doch weit gefehlt, gerade als unsererseits eine telefonische Gratulation erfolgte, gab Norbert zum Besten, dass er bereits ein "Läufchen" hinter sich hatte und kurz vor unserem Gespräch noch Walter Sauerwein, einem läuferischen Urgestein vom Bayerischen Untermain und zig-fachen Sieger bei Goldbacher Volksläufen und Winterlaufserien zum 95. Geburtstag verbal die Hand schüttelte.

Lieber Norbert,
die Vorstandschaft unseres TV Goldbach, die Laufsportfamilie, die Leichtathletikabteilung und die TV Online-Redaktion wünschen Dir zu "Deinem Runden" alles erdenklich Gute, Gesundheit und Zufrie-
denheit.
Wir hoffen, dass es Dir noch einige Jahre möglich ist, die Lauf-
schuhe zu schnüren und Du Deine persönliche "Erfolgsgeschichte" weiter schreiben kannst.

Erster Wettkampf vor 65 Jahren in Großostheim
Der nunmehr 80-jährige Seniorensportler Norbert, gebürtig aus dem beschau-
lichen Weinort Alzenau-Michelbach begann seine Laufkarriere, für seine Zeit recht ungewöhnlich bereits im zarten Kindesalter von 11 oder 12 Jahren und stellte sich nach Anraten seines Laufkollegen Erich Klotz am 23. Oktober 1955 beim Herbst-Waldlauf in Großostheim seinem ersten Wettkampf.
Von 800 m Läufen bis hin zum Marathon Seit nunmehr 67 Jahren läuft er nahezu ohne Unterbrechung in Disziplinen von 800 m bis zum Marathon die ganze Palette vom Gelände- bis zum Bahnlauf.

Doch nun der Reihe nach ...
"Bubb renn mal nach Hause"
... Norbert Gündling, aus einem landwirtschaftlichen Betrieb stammend, mußte wie so viele seiner Alterskameraden nach dem Schulbesuch seinen Eltern bei der schweren handwerklichen Feldarbeit helfen, wobei zur damaligen Zeit die Äcker und Wiesen vor der Flurbereinigung weit verstreut und recht fern von der Wohnstätte lagen.
Vergaß der Bauer irgend ein Utensil oder ging z. B. der Wetzstein beim Mähen zu Bruch, musste natürlich Ersatz beschafft werden. So schickte man meist den jüngsten Buben zwecks Beschaffung desselben nach Hause mit der Aufforderung, so schnell wie möglich wieder zu kommen.
Die oft zwei bis drei km entfernte Wegstrecke wurde deshalb meist im schnellen Lauftempo zurück gelegt. Dass dieser Einsatz nicht ganz uneigennützig war, sieht man allein daran, welche Vorteile sich dabei ergaben.
Einerseits konnte man sich damit der Feldarbeit entziehen und anderseits stärkte die Anerkennung und das Lob der Eltern über das rasche Wiedererscheinen das Selbstwertgefühl des Jungen in diesem Alter ungemein.
Ganz nebenbei entwickelte sich fast von selber trotz mangelnder Lauferfahrung das Wohlbefinden des Untrainierten. Immer häufiger kam es vor, dass die Bauern auf dem Nachbarfeld nach Zustimmung seiner Eltern Hilfe in Anspruch nahmen, um ihre Botengänge ausführen zu lassen.
Dass der Laufsport zu dieser Zeit ziemlich unpopulär war, sieht man auch daran, dass es noch Mitte der 50-er Jahre, außer beim kurze Zeit später beigetretenen Verein des TV Kahl, keine Laufsportler im gesamten Kahlgrund gab.
Der "Exot" aus Kahl
Als "Exot", der zunächst noch alleine in seiner Freizeit zumeist die steilen Berghänge zum Hahnenkamm hoch keuchte, von den meisten Dorfbewohnern bestaunt und bewundert, gab es natürlich auch welche, die sich bei seinem Vater mit den Worten beklagten: "Hott doin Bou nix oanners se du, als in de Geeschend rum se laafe".
Erfreulicherweise lernte er bereits mit knapp 15 Jahren den 5 Jahre älteren Erich Klotz aus der gleichen Gemeinde Michelbach kennen, der ihn ansprach und vorschlug, ob man nicht besser zusammen laufen sollte.
Auf einer 200er Adler zu den Wettämpfen
Mit dem 20-jährigen Erich ergab sich somit u. a. auch die Gelegenheit als Sozius auf seinem "heißen Gefährt" (einer 200-er Adler) die spärlichen Wettkämpfe im Aschaffenburger Raum zu besuchen.
Der Erich, daran sei hier auch einmal erinnert, war damals mit dem gleichaltrigen Richard Neeb vom Tuspo Obernburg der herausragende Mittelstreckler in Unterfranken.
Vorläufer des "Cross on Edelweiß"
Vielen Läufern ist heute nicht bekannt, dass es mit dem WSV Aschaffenburg einen frühen Vorläufer zur jetzigen Goldbacher Winter-Crosslaufserie gab, die in den Jahren 1955-1957 Anfang November vom Zeughaus an der Fasanerie bei einer angegebenen Distanz von 3.000m gestartet wurde.
Lief Norbert bei seinem 2. Wettkampf (nach Grossostheim) noch auf den 9. Rang, so schaffte er es ein Jahr später auf den dritten Gesamtplatz.
Persönlicher Erfolg beim Städtewettbewerb
Im gleichen Zeitraum von 1957-1958 wurde zwischen Aschaffenburg-Würzburg-Schweinfurt ein Städtewettbewerb auf der Bahn über 3x1000m ausgetragen, wo die drei Besten aus dem Bezirk ausgewählt wurden.
In beiden Jahren vertrat auch Norbert Gündling den Bezirk Aschaffenburg und trug zum Erfolg der Staffel bei, wobei nur die Mannschaft aus Würzburg nicht zu bezwingen war.
Auf dem "Stahlross" zum Training
Mindestens zwei Mal in der Woche fuhr Norbert Gündling auf einem klapprigen "Stahlross" (oft ohne Beleuchtung) in den Abendstunden bei Wind und Wetter auf der Landstraße zum Training ins 10 km entfernte Kahl, um auf der holprigen Aschenbahn seine Runden zu drehen.
Während die Waldläufe zum Wochenende im bergigen Gelände mehr dem Konditionsaufbau dienten, so fand man zunehmend Spaß an den Stadionrunden und den Tempoeinheiten.
Lieblingsdisziplin: 1.500 m
Diese frühe Zuwendung zu den Mittelstrecken mit seiner Lieblingsdisziplin über 1.500 m (Bestzeit: 4:19 Min.), sowie den 3.000 m (Bestzeit: 9:58 Min.), den 3.000 m Hindernis (Bestzeit:11:24,5 Min,) und eher selten von 1.000 m (Bestzeit: 2:50,9 Min.) prägte in jungen Jahren seine Laufkarriere.
Dass diese Zeiten mit mehr oder weniger gutem Schuhwerk (es gab damals nur die Marken Adidas und Puma) auf einer meist unebenen Aschenbahn absolviert wurden, sei hier noch nebenbei erwähnt.
Laufzeiten konnten teilweise nicht erfasst werden
Bei den früher so bezeichneten Frühjahrs- u. Herbst- Waldlaufmeisterschaften, sowie bei den Unterfränkischen war er immer präsent und kämpfte in den vorderen Rängen.
Damals war leider bei den meisten Geländeläufen nur die Platzierung von Bedeutung, da die Laufzeit oft nicht erfasst oder auf der Startkarte beim geduldigen Anstehen im Zielkanal von einer Taubenuhr abgestempelt wurde.
Entwicklung erste Mitte der 70er Jahre
Bekanntlich entwickelte sich der Lauf- und Ausdauersport erst gegen Mitte der 70-er Jahre, nachdem die ersten Volksläufe nach Schweizer Vorbild etwa 10 Jahre früher gestartet wurden. Die weite Anreise scheuend, konzentrierte sich Norbert Gündling weiter auf die Bahnwettbewerbe der Mittelstrecken, vornehmlich über 1.500 m, die er meist konstant um die 4:30 Min. lief.
Mit 48 Lenzen gewann er den Kreismeistertitel über 10.000 m
Erst mit 48 Jahren wagte er sich bei der Kreismeisterschaft in Echzell den 10.000 m zu stellen und gewann in 37:17 Min. seine Altersklasse M 45.
"Nie wieder Marathon"
Zwei Jahre vorher überredete ihn ein Sportkamerad, am 1. Hanse-Marathon in Hamburg (1986) teilzunehmen, wobei er sich beim Debüt völlig kaputt nach 3:45:29 Std. schwor, nie wieder eine solche Strecke in Angriff zu nehmen.
Dass diese Schwüre nicht lange Bestand haben, sieht man daran, dass er inzwischen über 25 Marathonläufe bewältigt hat und mit 51 Jahren seine Bestzeit in 2:55:25 Std. in Hannover lief. Zwei Jahre später wiederholte er auf gleicher Strecke in Hannover seinen Erfolg und kam denkbar knapp mit 2:59:48 Std. (1993) noch unter drei Stunden ins Ziel.
Die konditionelle Grundlage erarbeitete er sich vier Wochen vorher beim schweren Wintersteinlauf in Friedberg, wo er die 30 km in 2:06:08 schaffte.
Obwohl er sich also im fortgeschrittenen Alter mehr den längeren Distanzen zuwendet, wobei die sieben Brüder-Grimm-Läufe zwischen Hanau und Steinau a. d. Str. über 82 km, der Rennsteiglauf über 67 km mit 6:17:20 Std. (1994) und die zahlreichen Hermannsläufe in Bielefeld über 30,8 km herausragen, widmet er sich nach wie vor auch den Bahnläufen.
Größter sportlicher Erfolg
Fragt man ihn nach seinem größten sportlichen Erfolg, so wird er seine Leistung bei den Senioren-Europa-Meisterschaften in Potsdam 2002 erwähnen, wo er unter zunächst 62 Mitbewerber nach drei Zwischenläufen bei den 1.500 m sich von 5:09,42 über 5:06:93 für den Endlauf qualifizierte, wo er als Zwölfter der M60 mit 5:02,73 ins Ziel kam.
Während Norbert Gündling bei den Deutschen Sen.-Meisterschaften zwei Mal den 4. Platz erreichte, errang er bei den Hess. Meisterschaften fünf Titel:
Im Marathon 1997 in Fulda (3:07:46 Std., M 55), 3.000 m Halle in Hanau 2002 (10:58,13 min., M 60), 3.000 m Halle in Stadtallendorf 2003 (11:10 min., M60), 5.000 m in Fulda 2010 (22:02,50 min., M70) und 1.500 m Fulda 2010 (5:46,29 min., M 70).
Norberts Archive
Inzwischen füllen 34 dicke Ordner mit Urkunden, Ergebnissen und Sportberichten sein Archiv.

TV Mitgliedsnummer "3073
Seit dem 4. Oktober 2010 ist Norbert Gündling, wohnhaft in Nidda/Oberhessen, wieder sportlich, durch seine Mitgliedschaft in unserem TV Goldbach, in Bayern angekommen und möchte gerne, wenn seine Form weiter anhält und gesundheitlich alles im Lot bleibt, für seinen Verein TV Goldbach bzw. die LG Aschaffenburg weitere Erfolgsmeldungen präsentieren, so seine Aussage nach dem Vereinswechsel vor rund 10 Jahren.

Er läuft und läuft und läuft
... und dieses Vorhaben hat er wirklich in die Tat umsetzen können.
Alleine seine jüngsten Erfolge auf Bezirks, Landes- und Bundesebene in der Klasse M 75 stehen stellvertretend für den unermütlichen Willen, auch als "Mitglied der Goldenen Generation" dem Laufsport nicht nur aktiv die Treue zu halten, sondern auch regional und überregional "vorne mitzumischen".

Links zu dem Winter-Cross Impressionen des MAIN-ECHOs:
1.Lauf am vom 03.11.2019
2.Lauf am vom 10.11.2019
3.Lauf am vom 17.11.2019
4.Lauf am vom 24.11.2019
5.Lauf am vom 01.12.2019
6.Lauf am vom 08.11.2019
7.Lauf am vom 05.01.2020
8.Lauf am vom 12.01.2020
9.Lauf am vom 19.01.2020